Ich finde es jedes Jahr sehr schade, wenn der Sommer wieder vorbei ist. Aber nachtrauern bringt nichts – besser, sich auf das Gute zu konzentrieren! Also freue ich mich im Herbst darauf, Streuobst sammeln zu gehen und es zu verarbeiten. In diesem Beitrag gibt es Tipps und Tricks rund um das Sammeln und Verarbeiten von Streuobst – insbesondere Äpfel.
Vergessene Juwelen unserer Kulturlandschaft
Als Streuobst bezeichnet man Obstbäume, die verstreut in der Landschaft stehen, meist auf Wiesen oder Weiden. Zum typischen Streuobst gehören Äpfel, Birnen, Zwetschgen, aber auch Pflaumen, Mirabellen, Kirschen, Quitten, Maulbeeren, Walnüsse, Esskastanien und Speierling.
Streuobstwiesen sind durch den Menschen angelegte Landschaften, welche durch ihre schöne Ästhetik das Auge erfreuen. Als kulturelles Erbe bewahren sie altes Wissen um traditionelle Anbaumethoden. In Kombination mit Weide oder Getreidefeldern wird aus Streuobstlandschaften ein klassisches Agroforstsystem. Sie geben Tieren Nahrung und Wohnraum, können alte Obstsorten bewahren und tragen somit in vielfältiger Weise zur Biodiversität bei. Durch das Sammeln von Streuobst unterstützt man den Erhalt dieser schönen Kulturlandschaften.
Sammeln kann man Streuobst am besten auf öffentlichen Streuobstwiesen oder in der Nähe von ländlichen Wegen. Zudem kennzeichnen Gemeinden solche Bäume, die beerntet werden dürfen oder bieten Pachtverträge für einzelne Bäume an. Manchmal gibt es auch Ernteaktionen von Privatpersonen. Auf der Webseite www.mundraub.org können Bäume und Sträucher mit essbaren Früchten kartiert werden. Wenn ich mir nicht sicher über die Eigentumsverhältnisse bin, schaue ich mir das auf dem Boden liegende Obst an. Sind viele faule Früchte dabei, dann liegen die wohl schon länger. Also sammle ich guten Gewissens das auf dem Boden liegende Obst, welches ansonsten verfaulen würde. Aktuell gibt es in Bayern das Förderprogramm „Streuobst für alle“, durch das Privatpersonen über Vereine kostenlos Obstbäume zur Pflanzung erhalten können. Viele praktische Tipps zur Pflege von Streuobstwiesen gibt es beim Niederbayrischen Streuobstwiesen Kompetenzzentrum.
Streuobst ist gesund: reich an Vitaminen & arm an Kosten
Dass Obst gesund ist, ist allgemein bekannt. Es ist reich an Antioxidantien, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Bei Streuobst kommt hinzu, dass es regional, unbehandelt und aromatischer ist, als das meiste gekaufte Obst. Dieses wird nämlich oft verwässert, um eine künstlich größere Frucht zu erhalten.
Der Zugang zu kostenlosem Streuobst verringert die finanzielle Hürde, die beim Kauf entsteht, und fördert so gesündere Essgewohnheiten. Weil Streuobst (meist) kostenlos und oft reichlich verfügbar ist, fühlt man sich weniger gehemmt, es in großen Mengen zu genießen und von den Nährstoffen zu profitieren. Übrigens waren die Hunza, das traditionell-gesunde Volk aus dem Himalaya, begnadete Obstbauern. Obst soll eines ihrer Gesundheitsgeheimnisse gewesen sein.
Streuobst macht glücklich
Die Zunahme an Depressionen in unserer Gesellschaft ist unter anderem durch die Komplexität vieler Berufe bedingt. Man arbeitet monatelang an Projekten und ist dabei oft nur ein kleiner Teil des Prozesses, ohne ein konkretes Ergebnis zu sehen. Das kann eine gewisse Hilflosigkeit sowie Zweifel an der Sinnhaftigkeit hervorrufen und so das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Einfache Tätigkeiten hingegen fördern die Selbstwirksamkeitserwartung. Also die Zuversicht, dass das eigene Verhalten zum gewünschten Ergebnis führt und die notwendigen Fähigkeiten dafür vorhanden sind. Wer sieht, dass die eigene Arbeit zu einem konkreten Produkt führt, sieht sich auch bei größeren Herausforderungen in der Lage, seine Umwelt positiv zu beeinflussen.
Die Beschäftigung mit Streuobst bringt eine hohe Selbstwirksamkeit mit sich. In die Natur gehen, Obst einsammeln, heimbringen, sortieren und verarbeiten: am Ende hält man ein fertiges Produkt, ein klares Ergebnis seiner Mühen in der Hand. Das Erreichen eines Ergebnisses, wie der Korb voller Äpfel oder der daraus gebackene Apfelkuchen, kann ein Gefühl der Zufriedenheit und des Erfolgs vermitteln, was das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärkt. Das Gefühl, etwas bewirken zu können, reduziert nachweislich Stress. Zudem bedeutet Steuobst sammeln Bewegung an der frischen Luft. Es ist kein Geheimnis, dass dies Endorphine freisetzt und das allgemeine Wohlbefinden steigert! Vor allem in Kombination mit wertvollen Sonnenvitaminen, welche wichtig für eine gute Stimmung sind und durch den Aufenthalt in Tageslicht gebildet werden.
Tipps & Tricks beim Streuobst verarbeiten
Streuobst sortieren und lagern
Da ich beim Streuobst sammeln vor allem auf dem Boden liegendes nehme, sind viele schadhafte und unreife Früchte dabei. Aber das macht nichts, solange nur ein kleiner Teil der Frucht betroffen ist. Vor allem bei Äpfeln ist zwischen zwei verschiedenen Arten der Schadhaftigkeit zu unterscheiden. Es gibt zum einen die fauligen oder durch Würmer verursachten Stellen, die oft weich sind und innerhalb kurzer Zeit den ganzen Apfel verderben können. Zum anderen gibt es verholzte Stellen und Pünktchen, die zwar unschön aussehen, aber keinen Einfluss auf die Haltbarkeit haben. Daheim angekommen sortiere ich das Obst also in vier Kategorien:
1) sehr schadhaft – schnell verarbeiten;
2) leicht schadhaft – kann eine Woche lagern;
3) unversehrt bzw. lediglich verholzte Stellen – kann lange lagern;
4) unversehrt und reif – perfekt, um die Frucht roh und unverarbeitet zu essen.
Die schadhaften Stellen entferne ich vor dem Verarbeiten großzügig.
Gelagert werden sollte das Obst an einem kühlen Ort. Ich lege sie dafür in einen Korb, den ich mit einem Tuch bedecke und auf den Balkon oder in den Keller stelle. In Garten oder Garage könnte man Probleme mit Mäusen bekommen, die dort auf das Obst aufmerksam werden.
Unreife Früchte nutzen
Unreife Äpfel sollten nicht roh gegessen werden, können aber bedenkenlos zum Kochen und Backen genutzt werden. Rohe Äpfel nutze ich gerne als Suppengemüse zusätzlich zum eigentlichen Gemüse – das bringt eine unauffällige süß-saure Komponente ins Essen. Auch für Apfelmus sind sie gut geeignet. Dafür koche ich das klein geschnittene und gesäuberte Obst mit etwas Wasser weich und streiche es bei Bedarf durch einen Sieb oder püriere es. Ein solches Mus ist nicht besonders süß – hier hilft es, Zwetschgen oder Rosinen mitzukochen. Eine Prise Natron reduziert zudem die Säure.
Obst haltbar machen
Aus Obst eine klassische Marmelade zu kochen, ist für mich eine Verschwendung der nährstoffreichen Früchte. Denn Zucker raubt dem Körper Mineralien und entwertet somit das Obst. Zudem sind Marmeladen eine relativ neue Erfindung und gehören für mich nicht zu einer traditionell-gesunden Ernährung – darüber habe ich hier geschrieben.
Eine bessere „moderne“ Methode ist, Obst als Mus oder Kompott in Schraubgläsern einzukochen. Das mache ich gerne bei Sauerkirschen, um das ganze Jahr über damit Kuchen backen zu können. Bei Überschuss koche ich auch Apfelmus oder Zwetschgenkompott ein, wobei ich es frisch bevorzuge. Wenn ich sehr viele Äpfel und Quitten habe, koche ich eine große Menge Obstmus, von dem ich täglich viel esse. So erhalte ich während der Obst-Saison kostenlos eine natürliche Vitamin- und Mineralienkur!
Besonders traditionell ist das Trocknen von Obst, also die Herstellung von Dörrobst. Dieses kann man das ganze Jahr über als Snack essen oder aber zum Backen und Kochen nutzen. Äpfel schäle ich, trockne die Schale für Tee und trockne die Frucht in dünnen Scheiben im Backofen bei niedrigster Temperatur über mehrere Stunden. Wichtig ist es dabei, die Ofentür mit einem Holzlöffel leicht offen zu halten, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
Eine weitere Möglichkeit ist das Konservieren als Saft. Es gibt viele kleine Mostereien, denen man Äpfel vorbeibringen und dafür gegen eine Gebühr Apfelsaft mitnehmen kann. Je nach Mosterei wird dieser entweder explizit aus den eigenen Äpfeln hergestellt, oder aber man erhält einen Saft aus verschiedenen fremden Äpfeln. Hier gibt es vom Nabu einen Überblick von Mostereien in Deutschland.
Lieblingsrezepte mit Streuobst
Wie fast alle meiner Kuchen sind auch diese kaum süß, da sie nur Süße aus natürlichen Früchten enthalten. Dafür sind sie, unter anderem durch die Fermentation des Teiges, so gesund, dass man sie guten Gewissens zum Frühstück essen kann (im Detail könnt ihr die Gesundheitsvorteile hier nachlesen). Wem das zu fade ist, der kann zu Teig und Quark-Masse Vollrohrzucker dazugeben oder den fertigen Kuchen mit Honig essen. Den Quittenkuchen habe ich schon vor ein paar Jahren auf Instagram geteilt, wo er unter meinen Abonennten recht beliebt ist! Der Apfelkuchen ist eine Abwandlung des Holunderkuchens.
Käsekuchen mit Quitten
Teig-Zutaten: 380g Mehl (frisch gemahlener Dinkel), 80g gemahlene Nüsse, 170g weiche Butter, etwas Süße nach Bedarf, 90ml selbstgemachter Kefir (mehr über „Kefir-Hefe“ hier).
→ Alles mit der Hand verkneten und über Nacht gehen lassen (optimalerweise an einem warmen Ort).
Kompott-Zutaten: 800g Quitten, Wasser nach Bedarf, Rosinen nach Bedarf.
→ Schälen, in Spalten schneiden und großzügig entkernen (es dürfen keine weißen Stellen mehr zu sehen sein). Knapp mit Wasser bedecken und mit etwas Süße und Zimt 10-15min köcheln. Die Süße kommt in meinem Fall von einer Hand voll Rosinen, die ich mitkoche.
Quark-Zutaten: 500g Quark (Fettstufe nach Belieben), 250ml Quittensud, 1 Ei, 2 geh. EL Stärke, Süße nach Bedarf (z.B. Rosinen).
→ Alles gut mischen.
→ Eine gefettete Form mit 3/4 des Teiges auslegen und einen hohen Rand formen. Quarkmasse darauf geben und abgetropfte Quittenstücke in den Quark einsinken lassen.
→ Aus dem restlichen Teig Streusel machen, oder einfach Stücke davon abzupfen und auf dem Kuchen verteilen.
→ Bei 170°C Umluft etwa 50 Minuten backen (Dauer variiert je nach Ofen).
P.S.: Aus den Quittenschalen kann man einen leckeren Tee kochen!

Apfel-Nuss-Kuchen
Zutaten: 500g Mehl, 4 Eier, Rosinen nach Bedarf, 150g Butter, 75g Kefir, 100g gemahlene Nüsse (z.B. selbst gesammelte Wal- oder Haselnüsse), Zimt, evtl. Prise Natron für mehr Fluffigkeit.
– Butter evtl. etwas weich werden lassen, aus allen Zutaten (außer Äpfeln und Natron) einen Teig kneten.
– Bedeckt bei Zimmertemperatur 12-24 Stunden stehen lassen. Die genaue Dauer ist abhängig von der Temperatur. Der Teig ist fertig, wenn er aufgegangen ist (das merkt man, wenn man mit dem Finger reinsticht und der Teig einsackt). Er sollte zudem einen angenehmen leicht säuerlichen Geruch entwickelt haben.
– Nun großzügig klein geschnittene Äpfel und bei Bedarf das Natron unterkneten. In eine Form geben (z.B. mit Butter gefettete Glasform).
– Ofen auf 175°C O/U vorheizen und Kuchen ca. 30 Minuten backen. Die genaue Zeit ist abhängig von Form/Ofen und lässt sich anhand der Bräune sowie mithilfe eines Messers testen (bleibt Teig hängen?)

Eierkuchen mit Zwetschenkompott
Zwetschgen-Kompott: Zwetschgen waschen, entkernen und die Hälften in eine Topf geben. Wenige Minuten unter Rühren kochen, bis sie Flüssigkeit freigeben und leicht zerfallen.
Eierkuchen-Teig-Zutaten:
– 200g Mehl (frisch gemahlen, evtl. 20g durch Weißmehl ersetzen für eine bessere Konsistenz)
– 2 Eier
– 450 ml Milch (alternativ Kefir oder Dickmilch, aber damit werden sie nicht so schön & zerfallen eher)
– Butterschmalz, Schmalz oder kaltgepresstes Öl (z.B. Raps)
→ Falls Kefir verwendet wird, sollte der Teig über Nacht bei Zimmertemperatur stehen. Falls Milch verwendet wird, reicht es, den Teig eine halbe Stunde stehen zu lassen.
→ Gusseiserne Pfanne erhitzen, Fett reingeben und durch Schwenken der Pfanne verteilen. Mit einer Schöpfkelle etwas Teig in die Pfanne geben und durch Schwenken als feine Schicht verteilen. Sobald sich kleine Blasen bilden, den Pfannkuchen mit einem Spatel wenden.
Füllung (optional): Rosinen mit etwas heißem Wasser aufgiesen, kurz quellen lassen und dann mit Quark verrühren. Mit Zimt würzen.
→ Etwas Füllung auf einen Eierkuchen geben, zwei Seiten einfalten und den Rest einrollen.
→ Eierkuchen mit Zwetschen-Kompott servieren.

Ich wünsche ein gutes Gelingen und einen guten Appetit!
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Sammelt und verarbeitet ihr auch gerne Streuobst? Ich würde mich freuen, eure Lieblingsrezepte in den Kommentaren zu lesen!
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Quellen
- Barysch, K. (2015): Psychologie der Werte, S.201-2011.
- Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (2024): Förderprogramm „Streuobst für alle“ (Abruf 17.10.2024)
- Salvin J. & Lloyd B (2012): Health Benefits of Fruits and Vegetables, in: Advances in Nutrition, Vol. 3, Issue 4, July 2012, S. 506-516.
- Schulz, K, Mayer, A. & Langguth, N. (2011): Körperliche Aktivität und psychische Gesundheit, in: Bundesgesundheitsblatt 2012 · 55, S. 55–65.
- Titelbild: eigene Aufnahme