Zugenommen durch traditionelle Ernährung? Worin liegt das Problem?

In Kommentaren oder Nachrichten auf Instagram bekommen meine Kollegin Julia Mailova und ich des öfteren mit, dass einige durch den Umstieg auf Traditionelle Ernährung zugenommen haben. Woran das liegen könnte und wie man das verhindern kann – darum geht es in diesem kurzen Artikel.

„Moderne“ traditionelle Ernährung gibt viel Energie

In Gegensatz zu der ursprünglichen traditionellen Ernährung unserer Vorfahren werden in der modernen Variante, wie sie von amerikanischen Autoren definiert ist, oft viele Lebensmittel mit hoher Energiedichte in einem Gericht kombiniert: Sahne, Butter, Rohmilch, Honig, Eier, Getreide etc. Das mag vielleicht nicht unbedingt ungesund sein, fügt jedoch dem Körper enorm viel Energie zu. Wenn man diese nicht durch z.B. harte Feldarbeit o.ä. abbaut (wie es mal früher war), wird man schlichtweg ein Teil davon als Fettreserve einlagern. Eine Gewichtszunahme ist nicht immer schlecht. Doch sobald man sich dadurch schwerfällig fühlt, stellt auch ein leichtes Übergewicht für den Körper eine Belastung dar!

Das Problem: viel Fett und viele Kohlenhydrate

Die Kombination aus viel Fett und vielen Kohlenhydraten in einer Mahlzeit aktiviert den so genannten Randle Cycle (entdeckt durch Philip J. Randle). Dieser beschreibt das Phänomen, bei dem Kohlenhydrate und Fettsäuren um die Absorption im Körper konkurrieren. Wenn beides im Blut gleichzeitig vorhanden ist, können sie sich gegenseitig aufheben und so Stoffwechselprobleme verursachen. Wenn Fettsäuren in den Muskel eindringen, blockieren sie den Zustrom von Glucose. Als Folge daraus wird Glucose in Fett umgewandelt und in das Fettgewebe eingelagert. Der Glucose-Zustrom in das Fettgewebe blockiert wiederum die Freisetzung von Fettsäuren ins Blut, wodurch die Fettverbrennung gestoppt wird.

Genau dieser Effekt ist bei reichhaltiger traditioneller Ernährung zu beobachten: Kombination von viel fett- und kohlehydrathaltigen Lebensmitteln in einer Mahlzeit (z.B. Brei mit Butter-Sahne-Milch-Eier-Kombi, Lubri mit Sahne, Milch, Honig etc). Nicht zu vergessen ist, dass der Großteil von uns nicht mehr hart auf dem Feld / im Garten arbeitet und diese erhöhte Energiezufuhr schlichtweg nicht braucht.

So gelingt das Idealgewicht mit Traditioneller Ernährung

Wie können wir uns also gesund traditionell ernähren, ohne gleich Übergewicht zu bekommen? Wir sollten 1. Die neu gewonnene Energie vermehrt für Sport und körperliche Betätigung nutzen. Und 2., so wie früher, regelmäßig weniger reichhaltige, schlichtere Mahlzeiten einbauen, in denen entweder Kohlenhydrate oder Fett dominieren. Wenn man kohlenhydratreich isst, nimmt man nur wenig Fett und umgekehrt.

Übrigens: Vom Randle Cycle profitieren können Menschen mit Untergewicht und Kinder, da diese sich im Wachstum befinden. Für diese ist Milch eine gute Wahl, da es das einzige Mono-Naturprodukt ist, welches gleichzeitig relativ viel Kohlenhydrate (Milchzucker) und Fett beinhaltet. Milch aktiviert den Randle Cycle, um ein schnelleres Wachstum/Zunahme beim Säugling zu fördern. Wer aber Randle Cycle umgehen bzw. kein Interesse an Wachstum oder Gewichtszunahme hat, sollte lieber zu Sauermilchprodukten greifen, da der Großteil des Milchzuckers (Laktose) durch die Fermentation abgebaut wurde. Insbesondere Butter/Ghee, Sahne und Käse sind nahezu laktosefrei.

Ein weiterer Faktor, der auch Fans anderer Ernährungsformen in die Quere kommen könnte: Häufige Zwischenmahlzeiten verhindern die Ausschüttung von Glukagon – einem Hormon, welches die Freisetzung vom Fett aus dem Körper-Speicherfett einleitet. Daher wirken längere Nahrungspausen zwischen den Hauptmahlzeiten sich äußerst positiv auf das Körpergewicht aus!

Wie setzen Julia Mailova, Ganzheitliche Ernährungs- und Gesundheitsberaterin und ich eine „gewichtsfreundliche“ Traditionelle Ernährung um?

Julia Mailovas Tipp

„Ich frühstücke gerne Low Carb – einfach nur 2 Eier, rohes oder fermentiertes Gemüse, vielleicht etwas Käse oder Fisch dazu. Ab und an auch gerne mal ein paar Nüsse oder ein paar Beeren.

Mein Mittagessen ist hingegen eher kohlenhydratreich wie z.B. Pellkartoffeln mit einer guten Proteinquelle ergänzt durch Salat / Gemüse und wenig Öl. Die üppige Butterbeilage zu den Kartoffeln habe ich mir abgewohnt 😉

Ich integriere auch hin und wieder vegane Gerichte in meine Ernährung so wie es auch meine Uroma gemacht hat. Diese sind übrigens oft automatisch kohlenhydratreich und fettarm und somit auch zum Abnehmen geeignet. Mein Gewicht kann ich dadurch seit mehreren Jahren stabil halten.“

Meine Beobachtungen und Umsetzung

„In meinen historischen Forschungen ist mir aufgefallen, dass sich früher oft reichhaltige und schlichte Mahlzeiten abgewechselt haben. Dies lässt sich einerseits mit saisonaler Verfügbarkeit begründen – beispielsweise gaben die Kühe früher nicht das ganze Jahr über Milch. Andererseits unterschied man in den meisten Kulturen zwischen Fest-, Alltags- und teilweise sogar Fastenspeisen.

Diese Beobachtung setze ich bereits seit vielen Jahren in meiner Ernährung um, indem ich im Laufe des Tages und der Woche schlichte mit reichhaltigen Gerichten abwechsle. Damit fühle ich mich gesundheitlich wohl und kann mein Gewicht auch mit Traditioneller Ernährung gut halten. Mit dem Wissen um den Randle Cycle habe ich nun endlich eine ernährungswissenschaftliche Erklärung für meine Beobachtungen.

Ich persönlich werde von Low-Carb-Mahlzeiten oft nicht satt. Ich koche jedoch regelmäßig fettarme vegane Gerichte, wie beispielsweise Linsensuppe, in die zum Schluss ein Schuss kaltgepresstes Öl kommt. Oder einen Frühstücksbrei aus Musmehl und Obst, in den nur ein kleines Stück Butter kommt. Dies ist keine Einschränkung, sondern ein natürliches Bedürfnis nach Abwechslung und Ausgewogenheit!“

Quellen

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2 Kommentare

  1. Sandra says:

    Danke für den sehr informativen Beitrag. Mich würde noch die Gestaltung des Abendessens interessieren. Eher wieder low carb wie beim Frühstück oder kohlenhydratlastiger wie beim Mittagessen?

    1. Danke für das Feedback!
      Es gibt in der Traditionellen Ernährung keine Vorschriften, wie man welches Essen gestaltet. Julia Mailova frühstückt lieber low-carb, ich esse generell eher highcarb zu allen Mahlzeiten. Auch das Abendessen ist persönliche Präferenz und je nachdem, was einem besser bekommt. Julia Mailova bevorzugt ein kohlenhydratreiches Abendessen (zum Abnehmen bzw. Gewicht halten mit wenig Fett), da Kohlenhydrate erden, beruhigen und zu besserem Schlaf beitragen.

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